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  • »Daniel« ist der Autor dieses Themas

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Montag, 29. Oktober 2012, 21:57

Was ist eigentlich Aquascaping?

Aquascaping – facettenreiche Inspirationen aus der Natur
Von der Kunst der ästhetischen Gestaltung harmonischer Aquarienlandschaften

Aquascaping wird aus dem englischen Begriff "Landscape" (Landschaft) abgeleitet und bedeutet in Bezug auf die Aquaristik so viel wie "Unterwasserlandschaft" oder "Aquarienlandschaft". Da sich jedoch hinter dieser einfachen Übersetzung so viel mehr verbirgt, was gleichermaßen viele Fragen bei Einsteigern aufwirft, möchte ich an dieser Stelle etwas näher in die Thematik des Aquascaping einsteigen, das nach und nach den deutschen Sprachraum und zugleich auch die deutschen Wohnzimmer erobert. Nicht zuletzt aus diesem Grund erfreut sich der noch recht junge Trend "Aquascaping" einer zunehmenden Beliebtheit, die auch namhafte Hersteller von Aquaristikzubehör für sich entdeckt haben und den Markt kontinuierlich mit entsprechenden und erschwinglichen Produktneuheiten überraschen. Und nicht zuletzt auch die Thematik der Naturaquaristik mit einer gewissen Ernsthaftigkeit aufgreifen.

Takashi Amano
Die „Kunstform“ Aquascaping wurde insbesondere durch den japanischen Aquariendesigner Takashi Amano bekannt und nachhaltig geprägt, weshalb der Künstler international bewundert und als Vorreiter in der Gestaltung von Naturaquarien bezeichnet wird.
Amano greift dabei insbesondere gestalterische Elemente der Natur und der japanischen Gartenkunst auf, um diese im letztendlich harmonischen Layout seiner Aquarien nachzubilden.
Im Gegensatz zu klassischen Aquarien oder auch den traditionellen Holländischen Pflanzenaquarien, die in der Regel – mit ihrer primären Gruppierung von Stängelpflanzen einem „aufgeräumten“ Unterwassergarten ähneln, und in denen nur selten harte und dekorative Materialien wie Steine oder Wurzeln (­Hardscape) Verwendung finden, unterscheidet sich das Aquascape vor allem hier explizit durch sein Layout. Wird der Hauptakzent in einem Pflanzenaquarium vordergründig in Bezug auf die Pflanzen gesetzt, so ist es beim Aquascape das sogenannte Hardscape, das die Aufmerksamkeit des Betrachters gewollt und gekonnt auf sich zieht. Die teils chaotische, teils aber willkürliche und akribisch genau geplante, harmonische Anordnung von Gestaltungselementen (Hardscape) wie Steinen oder Wurzeln steht beim Aquascaping im Vordergrund und stellen somit den Grundaufbau der Unterwasserlandschaft dar, die dabei den sogenannten "Wabi-Sabi" Effekt dar (Konzept der Wahrnehmung von Schönheit). Das Konzept japanischer Ästhetik findet somit – durch Amano adaptiert – eine kunstvolle Anwendung in der Naturaquaristik.
Die Auswahl der Pflanzen spielt beim Aquascaping somit eine sekundäre Rolle und unterscheidet sich auch hier von der traditionellen Aquaristik, da beim Aquascaping nicht selten auch Becken (Cubes) mit nur einer einzigen Pflanzenart gestaltet werden. In der Regel jedoch besteht die Bepflanzung aus mindestens drei Aquarienpflanzen, wobei nach oben hin keine Grenzen gesetzt sind.

Die filigrane Gestaltung - Erschaffung von atemberaubenden Unterwasserlandschaften
Weiterhin finden insbesondere verschiedene Moose Berücksichtigung in der filigranen Gestaltung eines Aquascape. Auf Steine oder Wurzeln aufgebunden, lassen sie so den stilvollen Eindruck einer natürlichen und „gereiften“ Umgebung entstehen. Ohne sie – auch Farne oder Anubis sp. – würden insbesondere Wurzeln nackt, rau und unnatürlich in ihrer Umgebung aussehen. Der Wabi-Sabi Effekt findet auch hier im kleinsten Detail Berücksichtigung. In der richtigen Anordnung und mithilfe der sorgsamen Pflege und Beschneidung lassen sich aus Moosen und Wurzeln grandiose Effekte erzielen, die unter anderem den Eindruck entstehen lassen können, als würde beispielsweise ein Baum unter Wasser seine Wurzeln in den Bodengrund (Soil) treiben und seine Krone gen Wasseroberfläche recken. Mit der richtigen Auswahl des Hardscape lassen sich somit atemberaubende Unterwasserbiotope erschaffen. Auch hier sind der Fantasie und vor allem der Kunst keine Grenzen gesetzt. Wer schon einmal einen „Japanischen Garten“ gesehen oder gar betreten hat, wird schnell die Parallelen zum Aquascaping erkennen.

Prinzipiell unterliegt das Aquascaping keinen expliziten oder strengen Regeln, da die Gestaltung einer ansprechenden und in ihrer Höchstform auch kunstvoll angeordneten Unterwasserlandschaft meist die individuellen Wünsche und Vorstellungen des Scapers widerspiegelt. Hierbei können auch sogenannte „Dream-Tanks“ (überirdische Landschaften) erschaffen werden, die zugleich zum Zufluchtsort aus dem stressigen Alltag werden können. Die Vermischung des Holländischen Pflanzenaquariums mit dem japanischen Stil erfreut sich einer ebenso großen Beliebtheit, wie der sogenannte Iwagumi-Stil (Stein-Formation), der an die japanischen Steingärten angelehnt ist. Hierbei ist die Anordnung der Steine (immer eine ungerade Anzahl) der Hauptakzent des Beckens.

Inspiration - Das Potenzial unserer Natur als Layout-Vorlage
Der Facettenreichtum unserer Natur bietet beim Aquascaping ein ungemeines Potenzial in Bezug auf die Gestaltung. Bereits Amano verstand es – und versteht es noch heute -, ebenso wie eine Vielzahl leidenschaftlicher Scaper, sich von der Natur nachhaltig inspirieren zu lassen und reale Szenerien in seinen Unterwasserlandschaften nachzubilden.
Beim ersten Aquascape lassen sich Einsteiger gern von einer Vielzahl an bereits realisierten Projekten inspirieren und vermengen diese Vorlagen mit eigenen Ideen oder gar Eindrücken aus der Natur. Ganz gleich, ob aus unmittelbarer Umgebung oder gar Erinnerungen an Landschaftsszenerien der letzten Urlaubsreise.
Erste Inspirationen kann dabei Takashi Amano bieten, der in zahlreichen Veröffentlichungen und Bildbänden eine Vielzahl von kunstvollen und bewegenden Naturaquarien veröffentlicht hat, die schnell und vor allem auf einen Blick das vermitteln, was sich mit noch so vielen Worten nicht umschreiben lässt. Die Philosophie aus Gestaltung, Ästhetik und Harmonie.

Aquarien als Kunstwerke
Das „klassische“ Naturaquarium verfügt im Gegensatz zum modernen Aquascape über weitaus weniger Technik. Hier kann man gut und gern von einer „Mindestanforderung“ sprechen, die sich auf das Nötigste bezieht, was Licht und Düngung über die Wassersäule betrifft. Die Zugabe von ­Co² ist im klassischen Naturaquarium selten bis gar nicht vorhanden.
Das moderne Aquascape hingegen zeichnet sich hier durch technische High-End-Produkte aus, die nicht zuletzt auch auf Amano zurückgehen und seinem individuellen Design unterliegen. Um die Sichtbarkeit der Technik möglichst gering zu halten, finden hier insbesondere Glaswaren Berücksichtigung, die das Gesamtbild des Beckens nicht irritieren, sodass die gesamte Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Layout beschränkt wird.

Der Besatz von Fischen oder Garnelen wird beim Aquascaping nicht selten auf das Layout abgestimmt. Besonders stimmig wirkt dabei die Auswahl einer einzigen Art, die in ihrem Schwarmverhalten den Harmoniegesetzen entsprechend das Gesamtbild abrunden. Hierbei spielen nicht nur die Farben und das Schwimmverhalten der Bewohner eine übergeordnete Rolle, sondern auch die Balance zwischen Hardscape, Pflanzenauswahl und Hintergrund. Weniger hektische Fische wirken im Einklang mit dem Layout des Beckens harmonisch und können zudem eine unendlich wirkende Ruhe ausstrahlen.

Atemberaubende Einblicke zur Inspiration - und eine ersten Einblick in die Naturaquaristik - bietet im Übrigen das nachfolgende Video, das in der ADA Gallery Niigata aufgezeichnet wurde. Hier wird binnen der ersten Sekunden schon die Faszination des Aquascaping deutlich:

Viele Grüße,

Daniel

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Mittwoch, 31. Oktober 2012, 15:13

Hallo Daniel, vielen Dank für Deinen tollen ersten Bericht zum Thema Aquascaping !
Ich als Inhaber der ADA Deutschland GmbH und mein Team von erfahrenden und professionellen Aquascapern werden Dich beim Aufbau dieses Forums mit allen Kräften unterstützen.
Ich hoffe, daß das Thema Aquascaping in Verbindung mit wunderschönen Naturaquarien hier für alle begeisterten Aquascaper und die die es werden wollen, eine neue Heimat findet !
Alles Gute,
Jörg B.

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Mittwoch, 31. Oktober 2012, 20:29

Hallo Jörg,

hab vielen Dank für das freundliche Feedback. Ich muss gestehen, dass die Erstellung dieses Infotextes doch schwerer von der Hand ging als ursprünglich angenommen? Warum? Die Faszination Aquascaping in Worte zu fassen und dabei versuchen, die Leidenschaft dieser "Philosophie" entsprechend gerecht zu vermitteln, ist alles andere als leicht, weil Bilder eben doch mehr sagen als tausend Worte.
Nicht zuletzt aus diesem Grund dürfte dieses Forum samt seiner Galerie vor allem für Einsteiger eine wichtige Anlaufstelle bieten.

Ich freue mich schon jetzt auf die Unterstützung der ADA-Repräsentanten und den dadurch entstehenden Erfahrunsaustausch zwischen Interessenten, Einsteigern, Wiedereinsteigern und Profis.
Viele Grüße,

Daniel

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Montag, 17. Dezember 2012, 19:44

Ein wahnsinnig guter Leitfaden lieber Daniel. :hail:
LG, Fabian

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Mittwoch, 13. Februar 2013, 07:52

Stilrichtungen

Hallo Daniel,
sehr gelungene Einführung in die Materie. Mich würde mal interessieren wie unterschiedlichen Stilrichtungen (auf den Iwagumi-Stil bist Du ja schon kurz eingegangen) eingeteilt werden.

Wenn man die Entwicklung über längere Zeit zurückverfolgt (z.B. hier: http://showcase.aquatic-gardeners.org/) fällt auf, dass vor 10 Jahren die "Proportion zum (Bei-)Fisch" eine andere war. Es waren mehr Biotopausschnitte mit bemoosten Wurzeln (Naturaquarien) Vorbild, während inzwischen der Landschaftsgartenbau im Maßstab der Modelleisenbahnplatte mit ganzen Garnelenbaumwäldchen und "Alpenpanorama" in Mode gekommen ist und sich die Gestaltung immer weiter vom Thema "Wasser" entfernt.

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Donnerstag, 13. März 2014, 09:50

Toll geschriebene Einführung! Ich wünschte, es gäbe noch ein paar Links, aber für das Grundverständnis hilft mir der Artikel schon weiter :) danke dafür!